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ANDRÉ HELLER PARK IN WIEN

  • 20. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Ein Raum zwischen Nutzung und Gestaltung


An einem sonnigen Nachmittag zu Beginn des Frühlings zeigt sich der Park an der Alten Donau bereits deutlich belebt. Trotz eines gewöhnlichen Wochentagnachmittags wird der Raum intensiv genutzt – ein erster Hinweis darauf, dass der Park im Alltag angekommen ist. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wodurch sich dieser Ort von anderen Grünanlagen in Wien unterscheidet.


Vienna Mountain von Ugo Rondinone

Vienna Mountain von Ugo Rondinone


Wie zeigt sich der Park in seiner alltäglichen Nutzung?


Ich habe bewusst auf gutes Wetter gewartet, um den Park zu besuchen. Nach längerer Zeit mit eher grauen Tagen bot dieser sonnige Spätfebruartag eine der ersten Gelegenheiten, den Ort unter realistischen Bedingungen zu erleben. Dass viele andere die gleiche Idee hatten, wurde schnell deutlich.


Trotz eines Nachmittags unter der Woche ist der Park gut besucht. Menschen sitzen auf Bänken, gehen spazieren oder nutzen die Wege für Bewegung. Diese Nutzung wirkt nicht erzwungen, sondern selbstverständlich. Gerade für die Menschen, die in der Nähe wohnen, ist das ein klarer Mehrwert. Die Lage an der Alten Donau verstärkt diesen Eindruck zusätzlich: Wasser und offene Grünfläche schaffen eine ruhige, aber gleichzeitig lebendige Atmosphäre.


Der Zugang ist klar organisiert. Direkt am Eingang befindet sich eine Übersichtstafel, die den Park und seine Struktur erklärt. Dadurch wird der Raum sofort lesbar und zugänglich. Insgesamt vermittelt der Park einen durchdachten und in sich konsistenten Eindruck.


Entrance with overview board

Eingang mit Übersichtstafel


Auch in der Ausstattung zeigt sich der Anspruch, unterschiedliche Nutzungen zu ermöglichen. Neben klassischen Elementen wie Sitzgelegenheiten und Wegen für Fußgänger gibt es Spielbereiche für Kinder sowie frei zugängliche Fitnessgeräte. Gerade diese Trainingsmöglichkeiten fallen positiv auf, da sie Bewegung im Freien ermöglichen – etwas, das im Wiener Stadtraum nicht überall selbstverständlich ist. Ergänzt wird dies durch grundlegende Infrastruktur wie öffentliche Toiletten, deren Vorhandensein in der Praxis entscheidend ist.


Während des Besuchs wird deutlich, dass die räumliche Organisation tatsächlich funktioniert. Die einzelnen Bereiche werden genutzt, ohne sich gegenseitig zu stören. Es entsteht keine Überlagerung, sondern eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Raum – eine Qualität, die sich nicht allein planen lässt, sondern sich erst im Alltag zeigt.


Dennoch bleibt ein Punkt offen: Ein gastronomisches Angebot fehlt derzeit – ein kleines Café oder eine Bäckerei könnten den Aufenthalt zusätzlich bereichern.


Auch die Erreichbarkeit fügt sich in diesen funktionalen Gesamteindruck ein. Für Anwohner ist der Park direkt zugänglich, darüber hinaus besteht eine Anbindung über die Station Floridsdorf, von der aus ein Bus in etwa zehn Minuten Fahrzeit in die Nähe des Parks führt.


Wer steht hinter diesem Park – und welche Rolle spielt André Heller dabei?


Der Name des Parks ist eng mit seiner künstlerischen Konzeption verbunden. Die Gestaltung erfolgte unter der Leitung von André Heller, einem in Wien geborenen Künstler (geb. 1947), der seit Jahrzehnten international tätig ist. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Theater, Musik, Literatur und groß angelegten Raum- und Landschaftsprojekten.


Bekannt ist Heller vor allem für inszenierte Räume, in denen Natur, Kunst und Atmosphäre miteinander verbunden werden. Dabei steht weniger das einzelne Objekt im Vordergrund als vielmehr das Gesamterlebnis eines Ortes. Diese Herangehensweise lässt sich auch im Park an der Alten Donau erkennen.


Gleichzeitig ist der Park kein reines Einzelprojekt, sondern Ergebnis einer Zusammenarbeit. Die Umsetzung erfolgte durch die Stadt Wien in Kooperation mit der UniCredit Bank Austria, die das Projekt unterstützt.


Worin unterscheidet sich dieser Park von anderen Anlagen in Wien?


Vor diesem Hintergrund wird deutlich, was den Park von vielen anderen Grünanlagen in Wien unterscheidet: die konsequente Einbindung von Kunst. Sie ist hier kein Zusatz, sondern ein zentraler Bestandteil der Anlage.


Im Park verteilen sich insgesamt 14 künstlerische Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler. Dabei handelt es sich nicht nur um klassische Skulpturen, sondern auch um Klang- und Windobjekte sowie weitere gestaltete Elemente, die den Raum auf unterschiedliche Weise erfahrbar machen. Im Folgenden werden einige davon näher betrachtet.


Der Park trägt den Namen André Heller, und entsprechend ist er auch mit einem eigenen Werk vertreten. Mit der Skulptur „Die Wasserwächterin“ ist er im Park unmittelbar präsent. Die rund vier Meter hohe Figur steht direkt am Ufer der Alten Donau und hält ein über fünf Meter hohes Windrad in der Hand. Ergänzt wird die Installation durch Wasser- und Lichteffekte, wodurch sie sowohl vom Wasser als auch vom Park aus wahrnehmbar ist.


The Water Guardian by André Heller

Die Wasserwächterin von André Heller



Bereits am Eingang setzt Monika GilSings Arbeit „Eingang zu den Schätzen“ einen klaren Auftakt. Die farbigen Figuren wirken wie eine visuelle Schwelle und machen den kuratierten Charakter des Parks sofort sichtbar.


Entrance to the Treasures by Monika GilSing

Eingang zu den Schätzen von Monika GilSing


Im weiteren Verlauf tritt mit „Vienna Mountain“ von Ugo Rondinone eine der markantesten Arbeiten hervor. Die farbigen, übereinandergestapelten Elemente setzen einen deutlichen Kontrast zur natürlichen Umgebung und ziehen gezielt Aufmerksamkeit auf sich.


Vienna Mountain by Ugo Rondinone

Vienna Mountain von Ugo Rondinone


Einen anderen Zugang verfolgt Xenia Hausner mit „Atemluft“. Die Skulptur zeigt einen überdimensionierten Kopf mit einer Gasflasche und wirkt zugleich direkt und irritierend, wodurch sie eine zusätzliche inhaltliche Ebene in den Raum bringt.


Atemluft by Xenia Hausner

Atemluft von Xenia Hausner


Eine bewegungsorientierte Arbeit ist „Die Gestalt des Windes“ von Era Tsao. Die metallischen Elemente reagieren auf Luftbewegung und verändern sich kontinuierlich. Dadurch entsteht kein statisches Objekt, sondern ein Werk, das sich je nach Umgebung immer wieder neu zeigt.


The Shape of the Wind by Era Tsao

Die Gestalt des Windes von Era Tsao


Auch „The Guardian“ von Elmgreen & Dragset greift in die Wahrnehmung des Raums ein. Die überdimensionierte Figur auf einem hohen Stuhl lenkt den Blick nicht nur auf sich selbst, sondern vor allem auf die Umgebung.


The Guardian by Elmgreen & Dragset

The Guardian von Elmgreen & Dragset


Ergänzt werden diese Arbeiten durch weitere Elemente entlang der Wege, darunter kinetische und akustische Objekte, die teilweise erst im Vorbeigehen wahrgenommen werden.


Gemeinsam ist diesen Arbeiten, dass sie nicht als einzelne Höhepunkte inszeniert sind. Vielmehr verteilen sie sich über das Gelände und entfalten ihre Wirkung oft erst im Gehen. Genau dadurch entsteht kein klassischer Ausstellungsraum, sondern ein Raum, in dem Kunst Teil des alltäglichen Aufenthalts wird.


Der André Heller Park zeigt eine Anlage, die nicht allein auf gestalterische Wirkung setzt, sondern auf tatsächliche Nutzbarkeit. Seine Stärke liegt in der Verbindung von funktionalem Freiraum und künstlerischer Gestaltung – eine Kombination, die im Alltag bereits sichtbar funktioniert.



Quellen

UniCredit Bank Austria: Bank Austria Park – Projektbeschreibung: https://www.bankaustria.at/bank-austria-park.jsp

Stadt Wien / Projektseite: Bank Austria Park an der Alten Donau: https://wienwirdwow.at/bankaustriapark/


Fotos

Katalin Toth

 
 
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